In Deutschland findet man in den aktuellen News jeden Tag neue Meldungen zum Thema DSL Ausbau. Hier ist wieder ein Dorf ans Netz gegangen, dort beklagen sich die Bürger, dass ein Anschluss immer noch nicht zu Stande kommt. Politiker mahnen und mahnen zu Geduld, findige Bürgermeister veranstalten dörfliche Aktionen zur Finanzierung von Kooperationsverträgen oder rufen gleich selbst nach dem Griff zu Hacke und Schaufel um „eigendörflich“ die teuren Tiefbaumaßnahmen zu übernehmen und jeden Einzelnen für seine Überholspur im Datennetz zum Schwitzen zu bringen.
Nordische Lösung
Das kürzlich durch die Meldungen gehende finnische Modell sorgt bei den solcherart Betroffenen sicherlich für neidische Blicke gen Norden. Denn das bevölkerungsarme und dünn besiedelte Land hat sich die vergleichsweise einfache Aufgabe, seine knapp fünfeinhalb Millionen Einwohner mit einem DSL Anschluss zu versorgen zur Priorität gemacht, die zur Not per Gesetz durchgesetzt werden könnte. Inhalt dieses Erlasses ist außerdem die staatlich festgeschriebene, als „ausreichend“ klassifizierte Mindestgeschwindigkeit von zwei Mbit/s. Wo es keine Kabel gibt, müssen welche gelegt werden, ganz unabhängig davon wo das sein mag. Wer DSL will, kriegt es auch. Die Last die den finnischen Telefonanbietern damit auferlegt wird, ist natürlich bei weitem nicht so hoch wie in dichter besiedelten Ländern. Würde jemand in Deutschland eine einzelne Großstadt mit DSL versorgen sollen, wäre das schnell getan und natürlich wurde solcherlei auch schon mehrfach realisiert. Der Anbietermarkt in Finnland wurde außerdem erst vor kurzem entmonopolisiert und das auch mehr auf dem Papier als in der Realität, so dass auf deren Seite keine großen Verluste bei den Kundenzahlen zu erwarten sind.
Keine reine Selbstlosigkeit
Auch der Staat macht sich, seine administrativen Aufgaben angehend, damit selbst ein Geschenk. Statt teuer unterhaltener administrativer Einrichtungen in jedem entlegenen Dorf des Landes, bestückt mit je mindestens einer Ansprechperson für die Anwohner, können in Zukunft – noch mehr als schon jetzt üblich – dererlei administrative Aufgaben über das Internet abgewickelt werden. Die Kommunikationskanäle öffnen sich damit nicht nur für den Einzelnen in die Welt, sondern auch für die staatliche und privatwirtschaftliche Verwaltung in die Welt des Einzelnen.
Bisher kein Senf